März

02.03.
Black Wednesday. Muß es so einen Tag geben? Um 08.00 bin ich auf der Imigration um meinen Paß abzuholen (Visaverlängerung) Abholung nur zwischen 14.00 und 16.00 Uhr möglich. Nirgendwo steht das geschrieben und schon gar nicht wurde mir das mitgeteilt. Also wieder 40 Minuten Fahrt zurück auf Eclipse. Ich bin stink sauer. Möchte mir einen Tee kochen. Kein Gas. Die Flaschen sind voll. Ich kann den Fehler nicht finden. Um 13.00 wieder zurück auf die Imigration. Ich habe endlich den Paß. Eine Woche brauchen die Behörden. Vier mal mußte ich dorthin fahren um ein kleines Stemperl in meinen Paß zu bekommen, dass ich ein weiteres Monat in Indonesien bleiben darf. Ich fühle mich herzlichst willkommen. Es konnte mir noch niemand erklären, warum wir Touristen so schikaniert werden. Sie machens uns schwer in ihrem Land zu bleiben, um unser Geld hier auszugeben. Weiter zur Schweizer Botschaft wegen meinem verlorenen Führerschein. Der Teufel schläft nicht. Ich werde von der Polizei aufgehalten. Na ja was soll ich sagen. Viel bla bla. Ich finde endlich die Schweizer Botschaft. Geschlossen. Öffnungszeiten 09.00 bis 12.00 Uhr. Also bitte keinen Notfall auf Bali ausserhalb der Bürozeiten. Es ist niemand da.
Ich habe endlich wieder meine Kreditkarte. Ich möchte die Marina Gebühr zahlen. Der Kartenleser im Büro funktioniert nicht. Nicht erst seit heute. Der Kapitän von der Motoryacht Blue Saphire muß seit 4 Monaten, jeweils umgerechnet 10.000 US Dollar cash Marinagebühr auftreiben, weil dieser Kartenleser schon so lange nicht funktioniert. Ich suche 4 Banken auf, um mit meiner Mastercard Bargeld zu erhalten. Nicht möglich. Hier sind so viele Dinge so einfach, die bei uns einen enormen Zeitaufwand erfordern würden und ander Dinge die für uns selbstverständlich sind, sind hier unmöglich.
Ich brauche viel Bier und ein gutes Fischessen, um diesen Tag zu verdauen.

03.03.
Ich bestehe darauf, dass ein Service Mann für den Kreditkartenleser in das Marina Büro kommt. Ich bleibe im Büro sitzen. Ich rühre mich 2 Stunden nicht vom Fleck. Und siehe da. Sie haben vergessen ein update zu machen. Es funktioniert ja eh, man muß nur ein bissl lästig sein. Mein Gasherd kocht auch wieder.

05.03.
Wir holen Sutiasihs Geburtstag nach. Das Restaurant La Lucciola hat es mir voriges Jahr schon angetan. Ein offener Bau, aus Bambus. Direkt am Strand. Die brechenden Wellen, die an den Strand donnern, werden mit Scheinwerfer angestrahlt. Das Personal in wunderschöner Tracht. Jeder Tisch hat mindestens 2 Kellner. Anschließend natürlich einen ordentlichen Absacker im Zappas.

06.03.
Ich unterdrücke ein paar Tränen. Der Abschied von Bali fällt mir schwer. Um 14.00 mache ich die Leinen los und lege Kurs auf Sulawesi. Diese scheiß Lombok Strait. Die Meerenge zwischen Bali und Lombok. Ich brauche wieder einmal 14 Stunden für 40 Meilen. Zwischendurch komme ich nur ganz langsam gegen die Strömung voran, dann ist die Strömung so stark, dass es mich sogar zurück treibt. Ich atme jedesmall hörbar auf, wenn ich hier durch bin.

07.03.
Sonnenaufgang über dem Agung Rinjani. Dem höchsten Vulkan Lomboks. Erst vorige Woche hat er wieder Lava gespuckt. Gänsehaut.

09.03.
Watching Solar Eclipse on Eclipse. Um 09.30 schiebt sich der Mond vor die Sonne. Leider bin ich nicht ganz im Zentrum, aber es ist trotzdem ein wunderbares Erlebnis.

10.03.
Schlafen Delphine???? Das Meer ist spiegelglatt. Ich sehe von Weitem unzählige Flossen im Wasser. Mindestens 50 Tiere liegen oder schweben ohne Bewegung im Wasser. Mit Schleichfahrt fahre ich mitten durch. Sie lassen sich nicht stören. Ich hole meine Kamera. Dann mache ich irgend eine blöde Bewegung und schwupp, weg sind sie. Nichts geht über einen Profifotografen.

11.03.
Die letzten 5 Tage brennt die Sonne von einem unbewölkten Himmel. Wenig Wind. In der Nacht segel ich durch enge Kanäle im Süden von Sulawesi. Diese Durchfahrten sind während der Nacht und bei ruhigem Wetter schon ein bischen spannend. Gerade jetzt ziehen mächtige, schwarze Wolken auf. Es blitz und starker Wind kommt auf. Der Wind genau auf die Nase. Es schüttet. Wenig Platz zum manövrieren. Hunderte Riffe und kleine Inserln. Die Nacht ist schwarz. Man sieht die Hand vor den Augen nicht. Immer wieder unkalkulierbare Strömungen, die mich vom Kurs abtreiben lassen. Höchste Konzentration.

12.03.
Diese Nacht hat mich viel Kraft gekostet. Ich beschließe in den Stadthafen von Kendari zu fahren um auszuschlafen. Ein typischer Indonesischer Hafen einer 300.000 Einwohner Stadt. Dreckig, laut. Am Nachmittag fahre ich gerade einmal 1 Stunde an Land um frisches Gemüse zu kaufen. Wie ich wieder zu Eclipse zurück komme, ist ein Fischerboot an Eclipse gebunden und ein Mann ist auf meinem Schiff. Für Nichtsegler zur Erklärung. Das ist das Schlimmste was wer machen kann. Niemand darf unaufgefordert auf ein fremdes Boot kommen. Eclipse ist Österreichisches Territorium. Sowas geht bei mir gar nicht. Ich bin auf 100. Ich brülle den Mann an, er solle sofort verschwinden. Er möchte diskutieren. Ich gebe ihm genau Zeit für 3 Sätze, dann schmeisse ich den Eindringling ins Wasser. Er droht mir mit Polizei, weil sein Handy und seine Papiere natürlich auch ein unfreiwilliges Bad genommen haben. Aber die Polizei fordere ich selber per Funk an. Dann merkt er, dass er hier den Kürzeren zieht und haut ab. Sein Fehler, die Polizei ist eh nicht gekommen. Liebe Leser. Bitte verurteilts mich nicht, aber bei so etwas verstehe ich keinen Spaß. Dass ich das geplante Abendessen natürlich ausfallen lasse, weil ich Eclipse nicht mehr verlassen möchte, ist eh Strafe genug.

16.03.
Eigentlich sollte um diese Jahreszeit, der Süd Ost Passat schon wehen, aber leider habe ich noch Nord Ost. Das heisst Wind genau auf die Nase. Dazu kommt noch eine Meeresströmung von Nord nach Süd, also auch gegen meine Fahrtrichtung. Schlimmer kanns gar nicht sein. Relativ starker Wind, kurze, hohe, brechende Welle. Ich komme nicht voran. Für die letzten 60 Meilen brauche ich 2 Tage.

17.03.
Um Mitternacht erreiche ich endlich mein Ziel. Die Stadt Bitung, am nördlichsten Zipfel von Sulawesi. Die Nachtanfahrt ist kein Problem. Schnell finde auch ein gutes Platzerl zum ankern. Kurz zusammen geräumt. Durch die blöde Schaukelei sind doch ein paar Dinge aus den Ablagefächern gerutscht und liegen verstreut am Boden. Geduscht und ab ins Bett. Ich denk, mein Schnarchen hat man bis ans Ufer gehört. Die letzten 2 Tage konnte ich wenig schlafen, da Eclipse in den hohen Wellen furchtbar stampfte.

18.03.
Einkaufsbummel. Ich bin ein Alien hier. Der einzige Tourist. Es ist mühsam. Jeder grüßt mich. Jeder will mit mir sprechen. Komme mir vor wie ein VIP. Kinder laufen mir hinterher. Nicht um zu betteln. Nein, nur um mich zu berühren und mit mir und über mich zu lachen. Mehr habe ich heute von der Stadt noch nicht gesehen. Ich bin einfach zu müde. Morgen werde ich mir ein Motorrad ausborgen und ein bischen herumbrausen.

ps. siehe Logbuch Februar vom 12.02. Da schreibe ich über den größten Markt von Denpasar. Heute bekomme ich die Nachricht, dass dieser Markt durch ein Großfeuer vollständig abgebrannt ist.

19.03.
Mein Ankerplatz macht keinen Spaß. Stadthafen. Laut, dreckig, ungemütlich. Ich google im Internet. Lembeh Resort. 1,5 Sm entfernt. 5 Sterne Resort. Um 10.00 werfe ich vor dem Resort den Anker. Eine Bucht mit türkisem Wasser. Herzlichst werde ich empfangen. Am Nachmittag sitze ich in der Resort Bar. Gönne mir Bier. Die Sonne versinkt hinter dem Vulkan Lokon. Eine leichte Briese von den Bergen bringt Kühlung. Nach 12 Tagen auf See entspanne ich mich. Wie kann ich so eine Stimmung beschreiben? Ich esse Blue Marlin Sashimi als Vorspeise, Rindfleisch Spieschen mit Gemüse als Hauptspeise und dazu ein Flascherl Sauvignon Blanc. Ich habs mir verdient. Das Resort wird von einem jungen Dänen geführt. Der hat sein Handwerk gelernt.

21.03.
Der Resort Manager organisiert mir einen Aufpasser für Eclipse, da ich sie ja für ein paar Tage alleine lasse. Ich gehe auf einen sogenannten Macro Dive. Dafür ist die Lembeh Strait bekannt. Ich kann mich dafür nicht begeistern. Im Sand herum stochern um kleinst Lebewesen zu finden. Seepferdchen, Tintenfischerln, Shrimps. gerade inmal ein paar Millimeter groß.

22.03.
Früh Morgens werde ich mit einem Boot von Eclipse abgeholt. Mit einem Taxi zum Flughafen gebracht. Von Manado, über Jakarta, Colombo fliege ich nach Male. Von dort nochmals eine kleine Bootsfahrt und ich erreiche die Insel Bandos auf den Malediven.

24.03.
Malediven. Ok schön. Weisser Sand, türkises Wasser, Palmen. Aber was macht man hier? Tauchen, schnorcheln, dann gehen mir die Ideen aus. Eigentlich reicht es mir nach 2 Tagen. Mir ist fad hier und ganz billig ist es auch nicht gerade.

26.03.
Traumhochzeit. Dagmar und Ernst heiraten am Strand. Es ist so schön. Ich habe Tränen in den Augen. Hollywood könnte das nicht besser arrangieren. Mit einem kleinen Schifferl fahren wir anschließend aufs Meer zum Sonnenuntergang. Die Hochzeitstafel ist natürlich am Strand. Sushi, Fisch, Hummer, Gegrilltes. Unbeschreiblich.

29.03.
Ich bin wieder zurück auf Eclipse. Kämpfe mit einer Depression. Ich habe meine Freunde auf den Malediven getroffen. Das letzte Mal für lange Zeit. Ich fühle mich sehr einsam. Bleibe den ganze Tag im Bett.

30.03.
Ich teile mich zum Arbeiten ein. Eigentlich habe ich keine Lust dazu, aber ich muß mich beschäftigen. Ich gehe nicht einmal auf ein Sundowner Bier ins Resort. Am Sonntag kommen meine ersten Gäste, dann schaut Alles schon wieder besser aus.

31.03.
Ich reinige das Unterwasserschiff von Algen, Muscheln und Schnecken. Nur mit Taucherbrille und Schnorchel. Verausgabe mich komplett. Es tut mir gut. Am Nachmittag kommt ein Fischer vorbei und verkauft mir einen White Snapper. Gegrillt im Backrohr mit Bratkartofferln und ein Bier. Jetzt grinse ich wieder übers ganze Gesicht.





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April