01.06.
Erledige einige Einkäufe. Frisches Gemüse und Obst, nur Bier gibts hier keines. Na ja, geht auch ohne. Habe mir das Permit für Raja Ampat gekauft. Nicht gerade billig, aber es gilt für 12 Monate. Hihi. Welcher Tourist bleibt hier zwölf Monate. Morgen segle ich los ins Paradies. So steht es jedenfalls auf allen Prospekten geschrieben. Leider spielt das Wetter zur Zeit nicht besonders mit. Es tröpfelt seit zwei Tagen und tiefe Wolken verdecken die Sonne.

02.06.
Ich segle in die tiefe Bucht von Waego. Am Ende der Bucht nochmals in einen Fjord. An Steuerbord Mangroven Dschungel und an Backbord Regenwald. Im Hintergrund bis zu 2000 Meter hohe Berge. Ich werfe den Anker in einer kleinen Bucht. Heute habe ich keine Musik an Bord. Aus dem Regenwald höre ich ein Live Vogelkonzert. Bei Sonnenuntergang sitze ich mit dem Glas im Cockpit und beobachte die musizierenden Vögel. Ich habe zwar ein Fischbuch an Bord, aber kein Vogelbuch. Macht nix.

03.06.
Der Abend war schon laut von dem Gezwietscher und Gekreische. Der Morgen überbietet den Abend an Lautstärke allemal. An ein Schlafen nach Sonnenaufgang ist nicht mehr zu denken. Aber so macht geweckt werden Spaß.
Wow, was für ein Tag. Ich fahre die weite Bucht ab und ankere schließlich vor der Kabui Bay. Wie nenne ich das jetzt was ich hier sehe. Ich sage einmal "Kalksteininserlgarten". Ich mach mich auf eine Kajaktour. Trinkwasser, Fotoapperat in einen wasserdichten Beutel und los gehts. Grünes Bergsee Wasser. Spiegelglatt. Ich paddle über Korallen, fahre Slalomkurs durch die unzähligen Steininserln. Obwohl nackter Fels, wächst ein Wald auf diesen Steinhauferln. Wie macht das die Natur? Am Ende der weiten Bucht erreiche ich einen Kanal. Dieser Kanal durchschneidet die ganze Insel bis zum Meer auf der Westseite von Waego. Ich paddle nur ein Stück in diesen Kanal. Zu stark ist die Strömung. Undurchdringlicher Regenwald zu beiden Seiten. Unheimlich, aber schön. Gut das ich in keinem Hollywood Gruselfilm bin. Denn im Film käme jetzt sicher irgend ein Ungeheur aus dem Wald oder aus dem Wasser.
Zur Feier des Tages brate ich mir ein Steak, dass ich um teures Geld, in Wasai erstanden habe. Mit Bratkartofferln.

04.06.
Ich verlasse die weite Bucht von Kabui und segle an der Küste entlang. Schon bei untergehender Sonne sehe ich ein kleines Inserl. Ich ankere und fahr mit dem Dingi an Land. Es ist die Insel Aburek. Ich habe davon gelesen. Das Dorf auf dieser Insel wurde als das
"Liebste Dorf" Indonesiens ausgezeichnet. Die Insel ist aber so klein, dass ich sie auf keiner Karte finden konnte. Jetzt habe ich sie mit Glück doch noch gefunden. Und die Auszeichnung ist gerechtfertigt. Es bereitet mir große Freude durch das Dorf zu spazieren.

06.06.
Ich fahre im Morgengrauen in den "Kalksteinfelsengarten" von Wayag. Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ja jetzt bin ich tatsächlich im Landschafts Paradies. So etwas eindrucksvolles habe ich noch nie gesehen.Ich hab die Worte nicht um diese Landschaft zu beschreiben. Es ist noch schöner als auf den Fotos und Videos, die ich vorab schon gesehen habe. Ich kann Manta Rays, auf meiner Kajak Tour im glasklaren Wasser, beobachten. Riffhaie schwimmen neugierig um mein kleines Boot. Seeadler kreisen auf der Suche nach Nahrung.

07.06.
Noch im Dunkeln besteige ich so einen Kalksteinfelsen. Die Sonne geht gerade auf, als ich den Gipfel erreiche. Ich setze mich auf einen Stein und beginne meine Eindrücke zu beschreiben. Ich rede mit meinem Papa. Ihm beschreibe ich nichts, er sieht es mit mir. Ich erzähle meiner Mutter, was ich hier sehe und empfinde. Ich rede mit Dagmar, mit Ernst, mit allen meinen Freunden. Ihr müßt es gespürt haben. Ich habe schon sehr viel Schönes gesehen, seit ich reise. Dieses Fleckchen Erde hat etwas mystisches.

08.06.
Mittags verlasse ich Wayag. Es gäbe noch so viel zu entdecken. Ich möchte nicht länger bleiben. Ich habe in den zwei Tagen so viel in mich eingesaugt. Ich werde auch nie mehr zurückkommen. Ich werde es, so einzigartig, wie ich es erlebt und empfunden habe, abspeichern.

11.06.
Heute um 04.00 Früh laufe ich in den Hafen von Sorong ein. Visa Verlängerung steht wieder an, ausserdem muß ich meine Lebensmittel wieder aufstocken, bevor ich in den Süden von Raja Ampat und auf die Banda Inseln segle.

14.06.
Mein Stromgenerator gibt plötzlich seinen Geist auf. Ich bekomme von einem Australier, den ich zufällig auf einem Tauchschiff sehe, eine Telefonnummer eines Mechanikers. Ich rufe dort an. Was für eine Überraschung. Die Sekretärin versteht Bruchstücke Englisch. Jedenfalls schickt sie mir einen Mann zum Hafen, den ich dort mit dem Dingi abhole. Wie ich diesen alten Mann sehe, denke ich mir " Der hat ja noch nicht einmal einen Generator gesehen, wie soll der so ein Ding reparieren". So kann man sich täuschen. Das Werkl angeschaut, einmal starten probiert und schon dürfte er gewußt haben, wo das Problem liegt. Hat ein paar Teile abgeschraubt und wieder zusammen gebaut und siehe da, nach drei Stunden Arbeit, läuft der Generator wieder wie ein Glöckchen.

16.06.
SORONG zum Ersten
Das ich auf die Visaverlängerung eine Woche warten muß, brauche ich ja mittlerweile nicht mehr erwähnen. Daher möchte ich euch Sorong ein bischen beschreiben. Sorong ist die zweit- oder drittgrößte Stadt von West Papua. Wer weiss das schon so genau. Eine weite Hafenbucht mit braun - grünem Wasser und viel Plastik darin. Eine Werft und einen Anleger für die Fähren. Das Ufer säumen viele Häuschen auf Stelzen. Diese Siedlungen haben schon ihren gewissen Charme, aber nicht für den, der hier lebt. Wasser nur wenn es regnet, Wc durch ein Loch ins Meer und der Abfall auch dorthin. Bei günstigen Wind schwemmt es den Dreck und die Scheiße aufs offene Meer hinaus, sonst bleibt es unter den Stelzenhäusern und sondert demensprechend auch den Gestank ab.
Es gibt zwei Hauptsraßen. Eine von Ost nach West, die Andere von West nach Ost. Eine wird gerade aufgegraben. Wenn es regnet gibts Schlamm, bei Sonne undurchdringlichen Staub. Auf der zweiten Straße sind doch recht ordentliche Geschäfte. Jedenfalls man bekommt fast Alles. 100erte gelbe Sammeltaxis. Lautsprecher größer als das Auto. Ich steige ein, sage irgendwas, es versteht mich ja sowiso keiner und ich komme ganz woanders hin als ich wollte. Kein Problem. Einfach sitzen bleiben. Irgenwann fährt er an dem Platz vorbei, wo ich hin will. 5000 Rupia ist der Fahrpreis. 35 Euro Cent. Egal ob du einen oder zehn Kilometer fährst. Einmal habe ich 10.000 gegeben weil ich keinen 5000er hatte. Da wollte er mich gleich auf noch eine Runde mitnehmen.
Verkehr, Lärm, Dreck. Keine Gehsteige. Nicht ein, einigermaßen annehmbares Restaurant. Kein Platzerl, wo ich mich einmal auf einen Kaffe oder Tee setzen könnte. Von Bier, oder ein Glaserl Wein brauche ich gar nicht erst zu träumen.
5 Moscheen kann ich von Eclipse aus sehen. Im Abstand von vielleicht 500 Metern zueinander. Ab 5 Uhr früh brüllen die Muezin ihre Gebete durch die Lautsprecher. Dazwischen macht ein armseliges Kircherl mit ihrer Glocke auf sich aufmerksam. Bis zum Sonnenuntergang werden die Menschen aus diesen Lautsprechern mit Reden und ich nehme einmal an, mit Lesungen aus dem Koran bombardiert.
Sorong, eine Stadt mit Stillstand, ohne Chance eines Aufschwunges in den nächsten 10 oder 20 Jahren. Ich sprechs nicht aus warum. Siehe Zeilen oben. Die Menschen hier, sind alles andere als fanatisch Gläubig, aber sie werden durch ein paar Wenige zu diesem Stillstand gezwungen, die die Zeilen eines Buches zu wörtlich nehmen.

17.06.
Sorong zum Zweiten
ich finde im Internet ein Restaurant. Ausserhalb von Sorong, gute Bewertung. Also am Abend nix wie hin. Mit Vorfreude auf gutes Essen und vielleicht doch noch ein Flascherl Wein. HaHa. Das Restaurant ist ausgeräumt. Eine Live Band auf einer Bühne. Furchtbar laut. "Kein Essen heute" sagt mir die Managerin, dafür Live Musik und GoGo Aufführung. Na gut denke ich mir. Halt kein Essen, kein Wein, dafür nette Tänzerinnen. Ich zuzle an meiner Cola Dose und staune, das immer mehr junge Männer sich im Garten geschmeidig machen. Bald komme ich drauf, dass hier nur Männer tanzen werden. Frauen sind ja nicht erlaubt. Mein Cola war eh zu warm. Ich fahr wieder zurück auf Eclipse. Wie kann so eine große Stadt im vorigen Jahrhundert leben?

21.06.
Sorong zum Dritten
Ich habe ja schon geschrieben, dass Sorong die zweit größte Stadt von Papua ist. Heute möchte ich Euro in Rupia umwechseln. Papua Bank, Mandiri, BCA, BNI. Ich gehe nur in die Haupthäuser. Kein Euro Umtausch möglich.
Ich brauche für mein Dingi Benzin. Mit einem 20 Liter Kanister gehe ich zur ersten Tankstelle. Sie geben mir keinen Benzin in den Kanister. Es ist verboten. Ich schüttle nur mehr den Kopf. Ein netter Taxler erklärt mir dann wie es geht und ist mir dabei behilflich. Der Kanister muß sich in einem Fahrzeug befinden, dann darf er gefüllt werden. Also idiotischer gehts ja nicht mehr.
Am Abend kommt die Zollbehörde an mein Schiff. Nach 10 Tagen haben sie bemerkt dass ich hier ankere. Sie wollen ein Dokument, von dem ich noch nie gehört habe. Ich rufe meine Agentin in Jakarta an, die alle Formalitäten für Eclipse. bei den Behörden erledigt. Auch sie hat noch nie etwas von diesem Dokument gehört. Er hat mich weder nach meinem Paß gefragt, noch ob ich der Eigner oder der Skipper von Eclipse bin. Solche wichtigen Dinge interessieren ihn nicht. Er ist auf einem Dokument herumgeritten, dass es gar nicht gibt. Ich sagte ihm, er solle morgen wieder kommen, ich kläre das inzwischen. Ich wußte ja dass ich morgen in der Früh absegeln werde.

22.06.
Die letzten 10 Tage in dieser Stadt waren ein einziger Horror. Ich hatte noch nie so eine große Freude wie ich diese furchtbare Stadt hinter dem Horizont versinken sah. Auch wenn es heute den ganzen Tag schüttet, kann ich wieder atmen. Habe sauberes Wasser unter dem Bootsrumpf und keine stinkende Brühe mit Plastik. Ich stehe im warmen Regen, trinke Bier und höre Musik. Jetzt freuts mich wieder.

23.06.
Die Freude währt nur kurz. Mein Kochgas ist aus. Ich habe eine neue Flasche in Sorong gekauft. Entweder hat man mich beschissen und mir eine leere Flasche angedreht, oder ich war so ein Idiot und habe meine eigene leere Flasche wieder genommen. Also fahre ich wieder zurück in mein geliebtes Sorong.

25.06.
Leider gibts hier im südlichen Raja Ampat keine Ankermöglichkeiten. Der Meeresboden steigt überall in einer Steilwand von sehr tief, auf zu seicht. Keine Chance um hier irgendwo den Anker sicher einzufahren. Ausserdem haben die zwei Resorts geschlossen. Ich nehme an, da hier die Regenzeit beginnt. Also umrunde ich gemütlich die Inserln, schaue mir die Landschaft vom Boot aus an und segle nach 2 Tagen wieder retour nach Sorong. Diese Stadt läßt mich nicht los. Aber es zahlt sich einfach nicht aus, jetzt noch wo anders hin zu segeln, da ich am 10.07. das Schiff für einen Monat an einen anderen Skipper übergebe.

28.06.
Also das habe ich ja noch nie gesehen. Ich habe schwarze Mistsackerln an Bord, die ich, wenn sie voll sind, mit einem Kabelbinder einigermaßen geruchsdicht verschließe. Gestern nehme ich die Sackerln mit an Land und werfe sie in eine Mülltonne. Heute Morgen, ich trinke gerade meinen Tee im Cockpit, was sehe ich. Mein schwarzes Sackerl mit dem Kabelbinder treibt aufs offene Meer hinaus. Also wurde die Mülltonne in der Nacht ins Meer entsorgt. Das Müllproblem haben die Indonesier einfach nicht im Griff.




Mai
Juli