Februar

01.02.
Zollformalitäten in Indonesien. Unbeschreiblich. Immigration, Customs, Quarantin, Navy, Harbour Master. Hab ich eine Stelle ausgelassen? Von 09.00 morgens bis 16.00 Nachmittag. Papierkram. Jeder kocht sein eigenes Süppchen. Die Gestze, die auf der offiziellen Website der Indonesischen Regierung stehen, werden ignoriert. Aber da diese Prozedur für mich nicht neu ist, lasse ich mich nicht aus der Ruhe bringen und erfülle alle ihre sonderbaren Wünsche, mit einem untertänigsten" Yes Sir. Thank you Sir".

05.02
Das ZAPPAS. Eine der ältesten Live Musik Bars in Seminyak. Ein Engländer hat diese Bar vor vielen Jahren eröffnet. Selbst ein wunderbarer Pianist, gibt er jungen Musikern die Chance in seinem Lokal aufzutreten. Ich war heute da. Wiedersehens Freude mit den Kellnern und natürlich mit dem Chef. Ab 22.00 Uhr wirds bedrohlich eng. Ausgelassene Stimmung. Musikwünsche werden von der Band erfüllt. Mutige dürfen auf die Bühne, um zu singen. Musiker aus dem Publikum treten auf. Am Schlagzeug, an der Gitarre und spielen zusammen mit der Band. Ungeprobt, aber faszinierend, wie sich gute Musiker sofort verständigen. Um Mitternacht dann der große Auftritt. PianoSession des Chefs. Ein Kuddelmuddel aus Rock über Baladen bis zur Klassik. Mit einer gehörigen Portion Augenzwinkerei. Mit seinen 70 Jahren wollen seine Finger nicht mehr so, wie er will. Nach dieser Session gehe ich nach Hause. Es ist meine Lieblings Bar.

07.02.
Mit dem Motorrad fahre ich 40 Kilometer der Ostküste entlang bis nach Amplapura. Ich nehme meinen ersten Berg für heuer in Angriff. Auf dem Gunung (Berg) Lempuyang befindet sich einer der bedeutensten Tempel für die Hindis auf Bali. Mönche haben 1700 Stufen durch den steil ansteigenden Regenwald verlegt, die den Gläubigen den Anstieg erleichtern, den Tempel auf 790 Metern Höhe zu erreichen. Nach diesem Tempel geht es auf einem normalen Pfad auf den 1100 Meter hohen Gipfel. Leider hüllt sich Dieser in dichtem Nebel. Sonst würde man den 3200 Meter hohen Vulkan Agung sehen, die Gilli Inseln und die Insel Lombok. Na ja, alles kann man eben nicht haben.

08.02.
Ich verliere meine Geldtasche, oder ich lasse sie mir stehlen. Ich kanns nicht genau sagen. Jedenfalls gebührt mir der Titel Idiot. Meine Kreditkarten, Maestrokarte, der Führerschein ist weg und auch die Papiere für das geliehene Motorrad. Gut dass es auf Eclispe einen Notgroschen in Form von Dollars und Euros gibt. Genau für diese Notfälle. Jedenfalls viel Aufwand, um an neue Karten zu kommen. Wie ich das mit dem Führerschein hinbekomme, weiss ich nicht. (Falls irgendwer einen Ratschlag hat, wäre ich sehr dankbar).

11.02.
Es geht ja. Heute bin ich 10 Kilometer gelaufen, ohne anschließend wie ein Fisch auf dem Trockenen nach Luft zu hecheln. Es ist aber auch eine einzigartige Gegend, die ich jeden zweiten Morgen für meinen Frühsport aufsuche. Gleich in der Nähe der Marina befindet sich die Halbinsel Serangan. Schildkröten legen hier nachwievor ihre Eier ab. Keine Hotels wurden hier gebaut. Über die Insel ziehen sich unzählige Kanäle. Becken füllen oder leeren sich je nach Tide. Saftig grüne Wiesen, dichte Wälder. Ich laufe auf den Wegen entlang dem Wasser, oder einfach querfeldein. Hunderte Kühe die auf den Wiesen weiden, glotzen mich erstaunt an. Kuhfladen sind das einzige Hindernis auf dass ich Acht geben muß.

12.02.
Sutiasih zeigt mir heute den größten Markt von Denpasar. Es fängt schon einmal an mit dem hinfinden. Ich könnte diese Straßen 10 nein 20ig mal fahren, ich würde in diesem Chaos elendiglich verloren gehen. Samstagsverkehr auch noch. Für uns Europäer nicht vorstellbar. Die Südosttangente ist dagegen am Freitag Nachmittag eine verkehrsberuhigte Zone. Ein 5 stöckiges, nach allen Seiten offenes Gebäude erwartet mich. Davor sind schon unzählige Händler und bieten ihre Waren an. Manche haben nur ein Bünderl Wasserspinat auf dem Boden ausgebreitet, oder überhaupt nur kleine Wasserflaschen, die sie vorher irgendwo in einem Supermarkt erstanden haben und jetzt hier um eine paar Rupia teurer verkaufen. Parterre. Bestialischer Gestank. Fleisch und Fischmarkt. Mein Frühstück kommt mir bis zum Hals hoch. Nichts gekühlt. Schweinefüße, Gedärme, Innereien, Tierköpfe. Ich kann hier nichts kaufen. Nach 5 Minuten gewöhne ich mich an den Gestank. 1. Stock. Gewürze. Dieses Gebäude hat sicher Ausmaße von 500 Meter mal 500 Meter im Quadrat. Die Gänge zwischen den Ständen sind gerade einmal so breit, dass ein Mensch durch kann. Jeder Standler hat vielleicht 5 Quadratmeter. Läßt es sich erahnen, was hier los ist? Ich bin leicht klaustrophobisch veranlagt. Tief, tief durchatmen und relaxen. 2. Stock Haushaltswaren. Geschirr, Töpfe, Gläser, Messer. 3 Stock. Stoffe, Kleider, ja einfach Alles was man anziehen kann. 4. Stock Gemüse. 5. Stock Obst. Die österreichische Feuerpolizei würde hier Alarm der 10ten Stufe ausrufen. Die Hygieniker würden dieses Gebäude sofort schleifen lassen. Ich kenne schon Vieles. Das ist zu viel für mich. Ich will hier nur mehr raus. Sutiasih lacht mich aus.

14.02.
Leichte Unruhe in der Marina. Polizei marschiert auf und bezieht Posten. Eine 25 Meter Motoryacht unter Britischer Flagge legt ab und macht Platz für eine 40 Meter Motoryacht. Auch unter Britischer Flagge: Heimathafen London. Abgedeckt von Security und Poilzei gehen ein paar Menschen von Bord und verschwinden aus der Marina, in die vorgefahrenen Autos. Die Aufregung legt sich. Am Nachmittag komme ich mit dem Captain dieser Yacht ins Gespräch. Der Eigner dieser Yacht, ist auch Eigner der kleineren Yacht, die vorher Platz gemacht hat. Ein Indonesier aus Jakarta. Der dürfte eine Gelddruckerei in seinem Keller haben.

15.02.
Das ich den Vulkan Batur bestiegen habe möchte ich nur nebenbei erwähnen. Ich weiss dass alle Touristen nur mit einem Bergführer hinauf dürfen. Das ist ein Sonnenaufgangs Tumult. 100erte gehen morgens weg, um den Sonnenaufgang zu bewundern. Dem wollte ich ausweichen und habe daher eine andere Route, als die Touristenroute gewählt. Kurz nach dem Abstieg vom Gipfel, komme ich zu den kleinen Hütterln, wo die Touristen den Sonnenaufgang erwarten. Ein Bergführer war noch da. Es war schon 03.00 Nachmittag. Die Touristen waren längst wieder im Tal. "Wo ist dein Bergführer" fragt er mich. "Ich brauch keinen" war meine kurze Antwort, weil ich wußte, dass ihm das überhaupt nicht passt. Es ergab sich ein Wortgeplänkel. Das möchte ich euch ersparen. " Meine Kollegen werden dich töten, wenn du diesen Weg runtergehst" ( den Touristenweg). Ich dachte ich hab ihn falsch verstanden. Aber er widerholte seinen Ausspruch. Na das werden wir sehen, dachte ich mir und nahm den Touristenweg als Abstieg. Unten im Bergführerlager angekommen, sehe ich den Bergführer von oben wieder, zusammen mit ein paar von seinen Kollegen. Ich atme tief durch und baue mich vor ihnen auf. Ich mag mir gewisse Dinge einfach nicht gefallen lassen. " Wer will mich jetzt töten?". Also ich lebe noch. Sie haben mich furchtbar beschimpft, weil ich auf ihrem heiligen Berg alleine herumwandere. Das kann ich aushalten. Auch diese Seiten gibt es leider auf Bali. Wo Menschen Touristengeld schnuppern, werden sie zu Aasgeiern.

18.02.
Ich habe viele Reaktionen auf den Bericht über die Bergführer bekommen. Bitte nicht so wortwörtlich nehmen. Ich bin kein mutiger Mensch und würde nichts unsinniges herausfordern. Der Mount Batur ist den Balinesen ihr heiliger Berg und mittlerweile kenne ich ihre Mentalität. Kein Mensch würde mich töten wollen. Schon gar nicht auf einem heiligen Berg.

22.02.
Was gibt es Neues? Eine Österreichische Bank (BAWAG) braucht 12 Tage um mir meine neue Maestro Karte an meine jetzige Österreichische Adresse zu schicken, obwohl ich ihnen gesagt habe, dass ich im Ausland ohne Geld und daher in einer Notsituation bin. 12 Tage!!!!!!
Die Sonne steht hier zur Zeit genau 90° über mir. Es ist unbarmherzig. Dadurch heizt sich Eclipse grauenhaft auf und ich habe Backofen Temperatur. Trotzdem arbeite ich fleißig. Schleife, lackiere, verschönere. Es ist ja jetzt meine Wohnung.
Ab heute tritt wieder normaler Alltag auf Bali ein. Die letzten zwei Wochen waren so etwas wie die heiligen Feiertage für die Hindis. Stillstand. Ich habe keine Ahnung Wen und Was sie alles angebetet haben. Es ist für einen Aussenstehenden zu kompliziert, um all das zu verstehen. Jedenfalls waren unzählige Zeremonien auf den Straßen. Alles war festlich geschmückt und in den Tempeln herrschte Hochbetrieb. An jedem noch so kleinen Tempelchen (Kapelle) wurden Opferschälchen niedergelegt. Ganz Bali duftete nach Räucherstäbchen. Dazu kam noch der Jahrewechsel der Chinesen, die hier leben. Also ganz schön was los hier auf dieser Insel.

Meine zweiten Lieblingsinseln, die Fijis wurden gestern von einem furchtbaren Hurrican, mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 300 kmh heimgesucht. Ich habe auf den Fijis den Hurrican "Mick" miterlebt, daher weiss ich wie tragisch die nächsten Monate für die Fijianer werden. Daß ihre Häuser und Hütten zerstört sind, ist gar nicht so dramatisch, aber da die meisten Menschen von dem leben, was ihre Gärten oder Felder hergeben und das Gemüse und die Früchte verdorben sind, kommt eine schwere Zeit auf die Inselbewohner zu.
Kurzgeschichte: Ich hatte auf den Fijis einen lieben Freund. Sein Name war Bros. Er half mir ab und zu auf Eclipse um sich ein bisserl was dazu zu verdienen. 65 Jahre alt. Er war Hindu. Wir haben mehr geredet als gearbeitet. Es war so interessant, was er mir zu erzählen hatte. Jeden Morgen brachte er mir Roti mit verschiedenen Füllungen zum Frühstück. Als 2010 der Hurrican Mick über uns hinweggedonnerte, wurde sein Haus zerstört. Ich habe ihn fünf Tage nicht gesehen, weil die Straßen unpassierbar waren. Als er wieder auf Eclipse kam, strahlte er übers ganze Gesicht, dass mir nichts passiert ist. Sein Haus wurde zerstört!!!! Und er strahlte, daß MIR nichts passiert ist. Später sagte er mir, dass er für mich eine Opfergabe im Tempel niedergelegt hat und für mich gebetet hat. EIN HINDU hinterlegt für einen CHRISTEN, eine Opfergabe. Heute habe ich eine Opfergabe für ihn hinterlegt. Ich hoffe es geht dir gut mein lieber Freund Bros.
gut gut gut mein Lieber Freund Bros.
24.02.
Durch eine liebe Freundin aus Wien habe ich erfahren, wie ich zu meinem Führerschein komme, nachdem ich ihn verloren habe. Ich brauche nur auf die Schweizer-Österreichische Botschaft in Denpasar (Haupstadt) zu fahren, ein Formular auszufüllen und ein neuer Führerschein wird mir in Österreich ausgestellt. Da ich ja mittlerweile das Straßenchaos in Denpasar kenne, suche ich mir am Vorabend auf Google Map die Schweizer Botschaft heraus. Zeichne mir einen Plan, wie ich fahren muß. Also wirklich gut vorbereitet. Das ich am nächsten Tag die Botschaft nicht einmal annähernd gefunden habe, sei so nebenbei erwähnt. Ich kann nicht einmal sagen ob ich überhaupt in der Nähe der Botschaft war. Ich zeige den Menschen den Straßennamen, den ich auf einem Zettel notiert habe. Ich werde in alle Himmelsrichtungen geschickt. Ich frage mit meinem bischen Indonesisch, das ich mittlerweile kann, wo die Straße ist. Dann bekomme ich natürlich die Antwort auch auf Indonesisch. Das bringt schon gar nix. Nach 2 Stunden gebe ich auf. Sutiasih wird mir am Montag den Weg zeigen.

25.02.
Ich möchte in meinem neuen "Wohnzimmer" ein bischen Grün. Ich suche ein Blumengeschäft. Nix zu finden. Nicht nur hier in Indonesien, sonder auch in Thailand, auf den Fijis und in anderen Ländern sind Geschäfte und Werkstätten nicht einmal da und dann dort, sondern komprimiert in einer Straße. In der Straße xy sind die Schneider, in der Straße yx sind Schuhmacher, in der Straße xx sind die Autohändler. In ganz Kuta, Seminyak, Benoa, habe ich kein einziges Blumengeschäft gefunden. Durch Zufall fahre ich durch eine Straße, da sind dann gleich hunderte von Blumengeschäften und Baumschulen und man ist im Paradies. Nur wenn man diese Straße nicht findet, kannst du nicht einmal das kleinste Pflänzchen irgendwo erstehen. So ist es mit allen Artikeln. Es gibt die Stoffstraße. die Eisen-, die Sanitärstraße und so weiter und so fort. Die Idee ist ja gut. Man muß nur wissen wo man das Zeugs findet.

26.02.
Heute war die Hafenpolizei bei mir am Schiff. Auf Bali gibt es am 09.03. den "Silent Day". Ich hab den Balinesischen Namen dafür vergessen. Die Hafenpolizei hat mir freundlich, aber bestimmend mitgeteilt, dass ich an diesem Tag mein Schiff nicht verlassen darf und schon gar nicht auslaufen dürfte. Alle Menschen bleiben 24 Stunden in ihren Häusern. Es ist kein trauriger Tag. Es wird gebetet, gegessen, getanzt, musiziert. Der Tag gehört der Familie. Auch die Touristen dürfen ihr Hotel nicht verlassen. Kein Restaurant, keine Bar, kein Geschäft hat offen. Sogar der Flughafen wird stillgelegt. Ich werde leider nicht mehr auf Bali sein. Ich segel vorher ab. Ich finde so einen Tag großartig. Ich denke es wäre eine Überlegung wert, so einen Tag auch in Europa einzuführen.




Jänner
März