April

04.04.
Meine ersten Gäste kommen um Mitternacht aufs Boot.

06.04.
Bei schönem Vorwindkurs segeln wir Richtung Togean Islands. Am Abend essen wir Sashimi von einem Yellow Fin Tuna, den wir am Morgen auf dem Fischmarkt erstanden haben. Ein ca 10 Kilo Fisch um umgerechnet 21.- Euro.

08.04.
Der Empfang auf Phua, der ersten Insel der Togeans, ist nicht gerade gastfreundlich. Ein junger Mann, dem man irgendwann ein Funkgerät geschenkt hat, macht sich furchtbar wichtig. Er will die ganze Zeit dass ich mit irgend einem anderen Wichtigen funke, der mir wiederum sagt, ich müße sofort auf seine 2 Stunden entfernte Dienststelle kommen, um Report zu machen. Ich hab dann den Funk irgendwann unterbrochen und einen Report habe ich schon gar nicht gemacht.

10.04.
So kenne ich die Indonesier. Auf Melenge werden wir herzlichst empfangen. Sofort in ihr Gipsy Dorf eingeladen. Die meisten Togeans wohnen als Seezigeuner in Pfahlbauten. Sie leben in erster Linie vom Fischfang, dabei haben sie eine besondere Art des Fischfangs entwickelt. Sie sind Apnoe Taucher und speeren die Fische. Vor Allem die Frauen, haben es in dieser Art des Tauchens zu großer Fertigkeit gebracht. Die ganzen Togean Inseln sind von der Aussenwelt abgeschnitten. Kein Telefon Empfang und schon gar kein Internet. 2 mal pro Woche kommt eine Fähre vom Festland und bringt die wichtigsten Güter und ein paar Touristen.

12.04.
Wir ankern vor dem Kadidiri Paradise Resort. Machen 4 traumhafte Tauchgänge und lassen es uns gut gehen.

13.04.
Kurzeinkauf in der Inselhauptstadt Wakai. Na ja. Viel gibt es hier nicht zu sehen. Ein bischen Gemüse können wir kaufen und Fisch.

14.04.
Erneut ankern wir vor einem kleinen Resort in türkisem Wasser. Zum Abendessen bekommen wir 3 Kilo Langusten. Wir fressen, bis nichts mehr reingeht.
Diese Resorts, darf man mit den uns bekannten Resorts nicht vergleichen. Hier ist alles aufs Minimum reduziert. Fast kein Wasser, Strom nur wenn der Generator aufgedreht ist. Wein oder Spirituosen undenkbar. Dafür gehen die Resortangestellten mit uns Fischen oder spielen Beach Volleyball. Der Tauch Guide ist gleichzeitig der Koch, die Rezeptionistin die Kellnerin und so weiter. Wir fühlen uns so wohl. Eine Familie. Weil der Kreditkarten Automat nur an einem speziellen Strand funktioniert, fahren wir mit einem Fischerboot und Una der Reszeptionistin an diesen Strand, um unsere Rechnung zu begleichen. An allen möglichen Ecken probiert Una den Automaten in die Luft zu halten. um ein Funksignal zu ergattern. Irendwann machts dann piep und wir sind Schulden frei. Wir lachen uns noch den halben Tag krumm über diese Aktion.

17.04.
Wir verabschieden uns von den Togeans. Nach einem kurzen Zwischenstop auf der Insel Una Una mit einem seit 1960 nicht mehr aktiven Vulkan, segeln wir Richtung Gorontalo.

18.04.
Was für eine Enttäuschung. Ein stinkender Hafen. Keine Anker Möglichkeit. Lästige Hafenpolizisten. Meine Gäste verlassen das Schiff und fliegen nach Manado und dann weiter nach Hause. Mich hält hier auch nichts auf und ich setze Segel, auch Richtung Manado. Ich wollte meinen Gästen die 2 tägige Fahrt gegen Wind und Welle ersparen, daher ihr Abflug schon von Gorontalo.

21.04.
Ankere wieder vor dem Lembeh Resort. Am Abend gönne ich mir natürlich ein gutes Abendessen und ein Flascherl Wein im Resort. Eine wunderschöne 40 Jahre alte Motoryacht ankert auch vor dem Resort. Die Crew isst auch im Resort. Ich werde nach dem Essen auf ein paar Drinks an ihren Tisch eingeladen. Der Eigner ein Amerikaner, der sein Boot auch nützt. Weite Reisen haben sie schon unternommen. Eine liebe Crew aus Schottland, Neu Seeland, Australien. Der Gesprächsstoff geht uns jedenfalls nicht aus, bis uns die Resort Angestellten rausschmeissen.

22.04.
Mich sticht irgendwas in mein Augenlid, während ich schlafe. Jedenfalls erwache heute Morgen als Zombie. Mein rechtes Auge ist zugeschwollen.

23.04.
Ich hatte keine Ahnung, mit wem ich vor zwei Tagen den Abend verbrachte. Die Crew gehört zu einem Schiff der Sea Shepherds. Eine Organisation, die sich von Green Peace abgespaltet hat um aggressiver gegen Walfang und Verschmutzung der Meere vorzugehen. Heute war der Eigner bei mir an Bord. Er hat als 45 ig jähriger sein Pharmaunternehmen um 15 Milliarden Dollar verkauft. Ja 15 Milliarden. Und seither nützt er sein Geld um als Shepherd ein bischen dazu beizutragen die Meere zu retten. Die Shepherds agieren meist in einer Grauzone der Legalitaet. Sie werfen Stinkbomben auf Japanische Walfänger und sie gehen sogar soweit, dass sie Treibketten vor den Walfängern auslegen, um ihre Schiffsschrauben zu zerstören. Diese Vorgehensweise ist nicht ok. Sie machen ein Schiff manövrierunfähig und gefährden daher Leben. Sie wurden auch vom Obersten Amerikanischen Gerichtshof verklagt und dürfen sich Japanischen Walfängern nicht mehr nähern. Ich denke das geht ihnen am Arsch vorbei.
Um solche Begegnungen, mit so aussergewöhnlichen Menschen zu erleben, dafür bin ich hier. Unser Reisziel wird uns ein erneutes Zusammentreffen in Papua versprechen. Junge Menschen die zu Hause Alles aufgeben, um ein kleines Rädchen zu sein, den Planeten zu retten, oder zu erhalten. Ich habe tiefsten Respekt vor dem milliardenschweren Eigner und seiner Crew.

24.04.
Ich möchte heute vom Lembeh Resort, um die Süd Ost Spitze von Sulawesi, nach Manado segeln. Ich bin wie immer bestens vorbereitet. Haha. Ich trödle am Morgen herum. ich trödle beim segeln, bis ich irgendwann drauf komme, dass ich doch noch ein ganzes Stück Weg vor mir habe und den Hafen von Manado erst bei Dunkelheit erreichen werde. So, jetzt steht in meinem Hafenhandbuch, dass ich erst lese, nachdem ich schon unterwegs war, dass ein ankern in dieser weiten Stadtbucht auf Grund der Wassertiefe nur sehr schwer bis unmöglich ist. "Na super" denke ich mir und ich Idiot komme auch noch bei Dunkelheit dort an. Ich stelle mich schon darauf ein, dass ich die ganze Nacht, vor der Stadt hin und her segeln und auf Tageslicht warten muß. Bei der Annäherung, sehe ich durch mein Fernglas ein Mc Donalds Schild leuchten. Hmm ein Hamburger wäre jetzt gut, also vorsichtig vor dem Mc Donalds ans Ufer herangefahren. Siehe da. Der Tiefenmesser zeigt Ankertiefe. Ich fahre zwei mal einen Kreis um den Ankerplatz im Dunklen auszuloten und runter mit dem Anker. Das Dingi klar gemacht und an Land gedüst. Statt fades hin und her segeln durch die Nacht, sitze ich in einem tollen Strandlokal und genieße Fisch und Bier. Den Mc Donalds habe ich verweigert.
Mittlerweile habe ich mir so einen Instinkt angeeignet, dass ich Diesem mehr vertraue, als irgendwelchen Ratschlägen oder Büchern. Oder wars nur der Heisshunger auf einen Burger?

25.04.
Manado bei Tageslicht. Also zuerst. Ich ankere perfekt.
Manado war um 1650 ein ganz wichtiger Hafen für die Holländer als Zwischenstaion um die Moluccas und die Banda Inseln zu erreichen. Besser bekannt unter dem Namen "Gewürzinseln". Mit unvorstellbarer Brutalität haben die Holländer damals diese Inseln zu ihren Kolonien gemacht. Wenn sich Inselbewohner dieser Herrschaft nicht beugen wollten, wurden sie abgeschlachte, als Abschreckung für die Anderen, öffentlich gefoltert, als Sklaven verkauft, oder einfach zu tausenden deportiert. Der Profit für die Holländer, den sie aus den Gewürzen erzielten, war astronomisch. Pfeffkörner wurden damals von Hand gezählt und wurden mit Gold aufgewogen. Ein Sack Muskat Nüsse hatte den heutigen Gegenwert von ca 500.000,- Us Dollar. Eine Schiffsreise von Holland zu den Banda Inseln und zurück dauerte meist 2 Jahre. 2/3 der Seeleute gingen dabei elendiglich an Skorbut, Hunger oder anderen Krankheiten verloren. Ein Menschenleben hatte absolut keine Wertigkeit.
Als kleine Wiedergutmachung haben die Holländer, nachdem Manado im Pazifik Krieg völlig zerbombt wurde, am Wiederaufbau geholfen. Heute ist Manado eine lebendige Stadt, mit Banken, Schulen, Universitäten und fröhlichen Menschen. Manchmal hat Kolonisation auch etwas Gutes. Ich fühle mich sehr wohl hier.

27.04.
Auch wenn ich euch schon langweile. Heute schreib ich nochmals von den Indonesischen Behörden. Versprochen, das letze Mal. Ich lache nur mehr, sonst würde ich verrückt werden. Also es steht wieder einmal Visa Verlängerung an. Ich mit dem Mopde zur Imigration. Ich brauch ja ein Ausreise Flugticket, weil ich nach diesen weiteren 30 Tagen, Indonesien für einen Visa Run verlassen muß. Das wußte ich und hatte ich ja auch bei mir. Flug von Bali nach Singapur und wieder retour. ( von Manado gibt es keinen Internationalen Flug) Aber er wollte auch den Flug von Manado nach Bali. Ich lass mich auf keine Diskussion mehr ein, weils eh nix bringt. Also düse ich mit dem Moped in ein Reisebüro und buche den Innlands Flug. Nach der Mittagspause komme ich wieder zurück, fülle alle Formulare aus und gibs ab. Fragt er mich, wo ich in Manado wohne. Ich sage " Auf meinem Segelboot". Welche Adresse?. Ich sage " Auf meinem Segelboot im Indonesischen Meer. Ich habe leider keine Adresse, es gibt keine Straßennamen. Ich fand die Antwort lustig, er überhaupt nicht. Also hab ich geschrieben. Segelyacht Eclipse, Manado, vor dem Mc Donalds. Jetzt war der Idiot zufrieden. Der Hammer kommt noch. Plötzlich sagt er die Computer funktionieren nicht mehr. Ich müßte morgen wieder kommen, aber da morgen mein Visa abgelaufen sei, muß ich 600.000 Rupia (ca 60 Euro) Strafe zahlen. Rundherum haben die Computer einwandfrei gearbeitet. Die 600.000 stecken sie sich in die Tasche. Nix kann ich dagegen machen. Rege ich mich auf, stehe ich Ende Dezember auch noch da.
Dafür habe ich am Abend eine Kneipe gefunden, wo sie nur gegrillten Thunfisch servieren. Ein riesen Stück, mit Gemüse und Reis, um umgerechnet 2,50,- Euro.




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